07 Mai 2009

(Wie) kündet man an, dass man sich entfernt, um die Toilette aufzusuchen?

Das einfachste ist es, sich ohne jeglichen Kommentar davon zu schleichen und seinen Geschäften nachzugehen und die soziale Gruppe, deren Teil man eben noch war, Spekulationen über das plötzliche Austreten zu überlassen. Diese Spekulationen werden ja oft nur individuell getätigt, können aber unter Umständen zu falschen Schlüssen führen, weshalb mir ein kurzer Hinweis auf den Grund des unvermittelten Ausscherens aus der Gruppe angemessen erscheint.

Diesbezüglich gibt es übrigens kulturelle Unterschiede, zumindest im Schulwesen (und von mir empirisch erforscht): So erntet man in Dänemark, wenn man die Hand hebt und fragt, ob man sich zwecks Toilettengang kurz aus dem Unterricht entfernen dürfe, ungläubige Blicke der ganzen Schulklasse inklusive Lehrperson (eine unangenehme Melange zwischen Staunen und Belustigung), während man in der Schweiz vom bestürzten ja verärgerten Lehrer zurückgepfiffen wird, weil man sich ohne Aufhebens zwischen Tischen und Bänken durchgeschlichen und durch die Türe verdrückt hat (da man in dänischer Manier den Unterricht nicht stören wollte).

So.

Ankündigung ist also besser angesagt. Bislang sind mir schon zahlreiche Ortsbezeichnungen zu Ohren gekommen (vom klassischen stillen Örtchen über den AB und dem Büro 5 zum wiederum gängigen Häuschen) – aber auch Floskeln, welche die dort am häufigsten getätigten Beschäftigungen thematisieren sind zahlreich (bisle, schiffe, Geschäft verrichten, mal für kleine Jungs/Mädchen müssen, abseilen), wobei allzu direkte (und an sich präzisere) Formulierungen nicht gern gehört geschweige denn geduldet werden (ich geh mal kacken, scheissen, pissen, seiche, abführen, ausscheiden).

Ich plädiere hier Mal für eine Entkomplizierung der leidlichen Geschichte, die so viele genuschelte, halbfertige und beschämte Sätze hervorbringt, die ja doch mehr Fragen aufwerfen als klären: Benennen wir die Dinge beim Namen und verabschieden uns fortan stolz und erhobenen Hauptes mit «ich geh dann mal kacken», «bis später, ich muss noch schiffen», «bin gleich zurück/länger weg, muss scheissen gehen».

Wer ist dabei?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

häi hanich ez mössä flüttärä.

Remo hat gesagt…

Bin schon länger dabei. Aber aufpassen, dass man nur über sich selbst und NIEMALS über andere spricht. Auch nicht wenn's eine anständige Wortwahl ist.

Ich selbst bin ja da eher unkompliziert (so scheint mir) und informiere auch gerne ungefragt über meinen derzeitigen Aufenthaltsort, wenn das eben das Abort (noch so ein Wort) sein sollte. Nein, momentan nicht, ich sitz' auffem Sofa.

Gerade gegenüber Kindern sollte man übrigens - laut dem Kinderarzt, dessen Vorlesung ich mal besucht hab' - offen sein. Sonst kommt's dort nicht selten zu Stuhlverhalt, weil die nämlich denken, so Sachen mache man nicht (da's ja mitunter stinkt). Das hat dann zur Folge, dass sich die Scheisse laufend verdickt (Wasserresorption, zwar geringer im Mastdarm, aber dennoch vorhanden) und dann schmerzhaft UND stinkend wird. Elender Teufelskreis.
Der Kinderarzt hat gemeint, man solle auch gerne mal auf das Lüften verzichten und die Türe weit öffnen, damit die anwesenden Kinder riechen, dass auch die Grossen scheissen geh'n.

Unser Verhalten ist also auch eines zur Förderung von public health.

urigs.

Lucilia hat gesagt…

also mein Lieblingssatz: "i goh mou gone Schüssle füue!". Kniggemässig müsste man wohl sagen: "I goh mr schnäu go s Gsicht pudere" oder so ähnlich :-)

canela hat gesagt…

wie wärs mit: "ich muess e brunz id tschüssle tätsche?" ich mag diesen ausdruck, weil es so bildlich ist....

Jessica hat gesagt…

:-D tätsche

duchir